Interviews

Fleischer, Ully

Ully Fleischer (Interview vom 10.11.2009)









Dr.Doom:
Hallo Ully, schön dass du dich zu einem Interview mit mir bereitgestellt hast.

Ully Fleischer:
Ist mir ein Vergnügen. Nach dem Review freut es mich, dass ihr Euch die Zeit nehmt noch mal bei mir persönlich nachzuhaken. Dann schiess mal los.


Dr.Doom:
Was hat dich zum Filme drehen inspiriert.


Ully Fleischer:
Puh, da muss ich mal weit zurück denken. Ich glaube Nasenbluten. Ich hatte als Kind öfters einfach so mal Nasenbluten. Das kam dann so aus heiterem Himmel. (ist dann später behoben worden, keine Sorge). Wenn das passierte, dann hab ich mich vor den Spiegel gestellt und mir das Spektakel angeschaut. Wann hat man das schon als Kind, das da Blut fließt, ohne das es weh tut. Ich glaube das war die Grundfaszination an Illusion. Und daraus ist dann die Liebe zum Film erwachsen, denn nirgendwo sonst bekommt man ja so eine geballte Ladung Illusion aufgetischt wie beim Film.



Dr.Doom:
Was sind derzeit deine Lieblingsfilme und warum?

Ully Fleischer:
Ganz aktuell: PADORUM. Großartiger Streifen. Und ne deutsche Ko-Produktion. Das soll keine Wertung sein, im Gegenteil, ich find’s immer klasse, wenn deutsche Filme was her machen. Pandorum ist für mich der „ALIEN“ des Jahrzehnts. Ehm, wie heißen die 0er Jahre eine Jahrhunderts eigentlich? (Nachtrag von Dr.Doom: Das Millenium? Würde ich auch gerne mal wissen.) PANDORUM hat so eine schöne Mischung aus Stimmung, Story und hinten heraus Action. Das gefällt mir.
Ansonsten, klar DISTRICT 9, an dem kommt man ja gerade gar nicht dran vorbei, aber zu recht wie ich finde. Schade eigentlich, dass dafür die HALO Verfilmung eingestampft wurde, aber wer weiss, vielleicht kramen die den ja nun wieder raus. Was ich von HALO im Netz gesehen hatte sah jedenfalls klasse aus.
Und ganz klar ZOMBIELAND, den muss ich ja fast schon von Berufswegen her mögen, denn ich bin nebenbei noch als Zombiejäger tätig. Zusammen mit meinem Kollegen Maik Giesbert veranstalte ich Seminare zum Thema „Zombie-Verteidigungsmaßnahmen“. Das ist eine ziemlich kranke aber auch lustige Show. Unter www.postmortalelebensformen.de kann man dazu Näheres erfahren.




Dr.Doom: Welcher Regisseur zählt zu deinen Vorbildern.


Ully Fleischer:
Robert Rodriguez, dessen Arbeit verfolge ich, seitdem ich im Programmkino damals die spanisch-mit-UT-Version von EL MARIACHI gesehen habe. Ich bewundere seine Vielseitigkeit, und dass er zwischen SPY KIDS 2 und 3 noch so Sachen wie PLANET TERROR raus haut. Neil Marshall, Zack Snyder. Wenn ich jetzt Peter Jackson sage, dann klingt das zu sehr nach HERR DER RINGE, aber damals, als ich zu ersten mal BAD TASTE gesehen habe, war die Welt danach nicht mehr wie vorher. (Nachtrag von Dr.Doom: Das ist wohl wahr.grosses Lachen)




Dr.Doom: Mit was für Kurz-Filmen hast du angefangen, viele deiner ersten Werke dürften den meisten nicht bekannt sein, wie schätzt du diese Werke eigentlich ein, welchen könntest du uns sogar noch ans Herz legen.


Ully Fleischer:
Angefangen hat das bei mir mit dem selber Filmen erst Anfang der 90er, da sind ein paar harmlose Streifen entstanden, die aber eher Übungs- und Experimentiercharakter hatten. Seit 1997 mache ich jedes Jahr einen Weihnachtskurzfilm, die haben mal mehr und mal weniger mit Weihnachten zu tun, haben aber alle gemeinsam, dass sie im entsprechenden Jahr immer zu Weihnachten fertig sein mussten. Darunter gibt’s ein paar Filmchen auf die ich immer noch recht stolz bin. Meine Favoriten ist sind „BETTER BE GOOD!“ mit dem sind wir damals sogar ins Finale vom „Shocking Shorts Award“ gekommen, und der einige Jahre vor SIN CITY gezeigt hat, dass man diesen coolen schwarzweiss-Look auch prima mit Video erzeugen kann. Mein zweiter Liebling ist „X-MESS“, der aber immer nur der „Kühlschrank-Film“ genannt wird. Dabei haben wir eine ALIEN-Hommage in einem Kühlschrank nachgestellt, und die Helden sind das Gemüse, die sich mit einem echt schaurigen Monster rumschlagen müssen.





Dr.Doom:
BloodBound hat mich persönlich sehr überrascht, er hat alles zu bieten was ein guter Action Film aufzeigen sollte. Ich kann das Werk nur jedem weiterempfehlen, auch über dem Independent Bereich hinaus.


Ully Fleischer:
Danke, dann war die Mühe nicht umsonst...





Dr.Doom:
Siehst du BloodBound als deinen großen Durchbruch an? Was erhoffst du dir jedenfalls von diesem Film.


Ully Fleischer:
Wenn sich der Film so gut verkauft, dass ich mir davon eine Südseeinsel leisten kann, bin ich raus aus der Geschäft. (laucht) Nein, im Ernst, ich wollte den Beweis antreten, dass auch hierzulande Filme in dem Genre entstehen können, die Spaß machen zu schauen. Ob das mein großer Durchbruch wird bleibt abzuwarten, wie’s dem Publikum gefällt. Ich würde den Film eher als Startschuss sehen. Die größte Freude für mich wäre, wenn sich mir durch BloodBound die Chance eröffnet, in Zukunft Projekte realisieren zu können, die auf allen Ebenen mehr Möglichkeiten haben. Das Kernteam von BloodBound waren nur vier Leute. Damit ist man an viel zu vielen Fronten gleichzeitig beim Drehen gefordert.




Dr.Doom:
Der ansprechende Trailer ist ja zuvor schon auf diversen DVDs positiv aufgefallen, weshalb hat es seit 2007 nun so lange gedauert bis der Film auch endlich veröffentlicht wird.


Ully Fleischer:
Ende 2007 gab’s eine Teampremiere, und danach war das Projekt eigentlich für mich abgeschlossen. Doch der Film war da mit 124 Minuten einfach noch zu lang. Zunächst hab ich mich dagegen gewehrt noch mal mit der Schere ran zu gehen, aber mein Kameramann Stefan Engelbert hat mich dann überzeugt das es sich doch noch Lohnen würde.
Zusammen mit dem Dramaturgen Niko Kyriakidis, der bislang mit dem Projekt nichts zu tun hatte, bin ich mit dem Film noch mal in „ins Fitness-Studio“ gegangen und haben an vielen Stellen noch Tuning betrieben, sodass der Film jetzt insgesamt straffer und besser funktioniert. Die Endfassung trägt jetzt zu recht das Copyright 2009. Es hat an einigen Stellen zwar echt wehgetan Sachen wieder raus zu schmeißen, aber ich denke es tut dem Gesamtwerk gut, und da bin ich dann auch selbstkritisch genug die entsprechenden Kürzungen zu machen. Aber ich freue mich, wenn am 4. Dezember die DVD raus kommt, dann sind da acht entfallene Szenen drauf, die aufzeigen, was wir noch alles extra gedreht hatten...



Dr.Doom:
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit den recht unbekannten Hauptdarstellern Ingo Wendland und Torsten Knippertz, die ja vor allem den Film mit tragen werden.


Ully Fleischer:
Auf Ingo bin ich über ein gemeinsames Theater-Projekt aufmerksam geworden, bei dem ich damals Regie-Assistent war und er im Ensemble mit dabei war. Ich war sofort von seiner Ausstrahlung begeistert und hatte ihm zunächst für eine kleinere Rolle im Auge. Dann musste ich mich kurz vor Drehbeginn leider von unserem vorgesehenen Hauptdarsteller trennen, und hab Ingo angefragt, ob er auch Zeit hätte bei BloodBound „was Größeres“ zu spielen. Er meinte dann er müsse erst darüber nachdenken, rief aber 5 Minuten später zurück und sagte zu. Damals wusste er 100pro nicht worauf er sich da einlässt...
Torsten habe ich über einen anderen befreundeten Schauspieler kennen gelernt und wir haben schon einige Kurzfilme zusammen gedreht. Er ist so eine Seele von Mensch, dass ich am liebsten keinen Film mehr ohne ihn drehen möchte. Er ist fast schon so was wie mein Glücksbringer am Set. Er ist unglaublich vielseitig und ich halte ihn für einen (bislang) weit unterschätzten Darsteller.



Dr.Doom:
BloodBound ist auch soweit ich das Überblicken kann dein erster Film wo richtig bekannte Prominenz mit vertreten ist, mit Charlotte Karlinder (Big Brother) sowie Kollegin Kerstin Linnartz, André Dietz, Carolin Gralla (Marienhof) und einige andere, was hast du zu Berichten.


Ully Fleischer:
Ich habe für BloodBound so ziemlich alle Schauspieler angequatscht, die ich selber schon kannte. Die wiederum haben dann ihren Schauspielerfreunden und -kollegen von dem Projekt erzählt, und so kamen einige Leute aus eigenem Interesse dazu, so z.B. der André Dietz. Peter Nottmeier, den ich schon ne Weile kenne, hat sogar selber bei mir angerufen. „Hey Ully, ich hab gehört du machst einen Vampirfilm, da will ich unbedingt dabei sein.“ Ich musste ihm dann zwar erklären, dass es ein Dämonen-Film ist, aber er wollte trotzdem unbedingt mitspielen.
Ansonsten habe einfach Darsteller angefragt, ob die Lust auf „mal was anderes haben“ – z.B. Carolin Gralla hab ich auf einer Party angesprochen weil sie mir mit ihren feuerroten Deadlocks aufgefallen war. Sie hatte sich zwar noch nie mit dem Thema Fantasy-Action-Horror befasst, was aber sofort dabei, als ich ihr anbot mal eine fiese gemeine Dämonin spielen zu dürfen.




Dr.Doom:
Die kurze Anspielung "Fleischer & Metzler" jene mir beim ersten Blick auf die Filmdaten von "BloodBound" aufgefallen ist, kann ich mir leider nicht Verkeifen, derweil bietet der Film aber viel mehr als nur Gorehound Futter. Markus Metzler spielt jedenfalls eine wichtige Rolle im Hintergrund von "BloodBound", neben Drehbuch und Produktion ist er für die tollen Spezial Effekte verantwortlich, stell uns ihn mal kurz vor und wie kam es zur Zusammenarbeit.


Ully Fleischer:
Markus ist gelernter Maskenbildner, mit Zusatzausbildung in Amerika. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei aber nicht auf Splattereffekten, sondern er ist Spezialist für ausgefallene Designs mit Liebe zum Detail. Ich hab mal ne Greisen-Maske von ihm gesehen, da hat er von Hand ca. 1000 einzelne Haare rein gepickst, damit das Haupthaar schön licht aussieht. Er hat auch mit dem Ramin Shafiai das Pit-Monster von BloodBound entworfen, ein Ganzkörper-Monsteroutfit. Nachdem die Dämonen den Helden Vic gefangen genommen haben, werfen sie ihn zur Belustigung ihrem „Hausmonster“ zum Fraß vor. Die Szene ist eine Hommage an das Rancor aus RETURN OF THE JEDI. Im fertigen Film ist die Szene nun leider nicht mehr drin, aber sie ist auf jeden Fall ein Juwel unter den „Deleted Scenes“.
Markus ist seit über 15 Jahren einer meiner besten Freunde und ich bin mir total sicher, ohne ihn würde es BloodBound nicht geben. Seit Anfang der 90er arbeiten wir zusammen und ich liebe die Hingabe die er seinem Beruf als Maskenbildner entgegen bringt. Wir haben schon ein paar aufwendigere Kurzspielfilme realisert, z.B. SPLOTSCH – einen Fun-Splatter Streifen irgendwo zwischen BRAINDEAD und GHOSTBUSTERS. Und den schönen stimmungsvollen Endzeit-Klopper namens ROST.
Wir sind ein prima Team, wenn’s ums entwickeln von Geschichten geht. Und es macht Spaß gleich beim Ausarbeiten der Story checken zu können, kriegen wir das auch effektemäßig hin? Wir hatten zwischendrin ja auch mit dem Gedanken gespielt aus BloodBound wirklich einen Vampirfilm zu machen, aber dann wollten wir lieber etwas Eigenständiges schaffen und so kamen wir auf die Dämonen mit ihren Tattoos. Und wenn man mal genau hinschaut, der Markus hat für jeden Dämonen ein eigenes Design gestaltet.




Dr.Doom:
Wie sieht die Zukunft eines Ully Fleischer aus, was wären deine Wünsche für die Zukunft im Filmgeschäft, jenes auch dein Schlussstatement beinhalten darf. Ich bedanke mich schon mal herzlich für das Interview und die geraubte Zeit.


Ully Fleischer:
Ich will möglichst bald was Neues anfangen. Als nächstes das Projekt wird wahrscheinlich „Sunny Day“ anstehen, ein fieser dreckiger Endzeitfilm in dem die Sonne zu unserem ärgsten Feind avanciert ist. Aber ich würde gerne auch mal einen fremden Stoff bearbeiten. Also, wenn irgendwer eine gute Story in der Schublade hat und meine Arbeit mag, dann soll er/sie mich gerne kontaktieren. Meine Email ist: Contact@bloodbound.de.
Was BloodBound konkret angeht, da hoffe ich mal, dass der Streifen sein Publikum findet und viele Zuschauer daran Spaß haben werden. Die DVD die Anfang Dezember in den Handel kommt ist echt ne schicke runde Sache geworden. Mit jeder Menge Extras, Audiokommentar, Making Of und allem was dazu gehört. Und die DVD erscheint ungeschnitten.
Für mich persönlich hoffe ich mal, dass den Film auch ein paar Produzenten zu sehen bekommen, die erkennen, dass es sich durchaus lohnen kann zukünftig in solche Projekte Geld zu investieren, denn ich bin heiß darauf weiter zu rocken.
War mir eine Freude Dir Rede und Antwort gestanden zu haben und falls irgendwer noch Fragen haben sollte z.B. zu einem der oben erwähnten Filme, immer heraus damit unter Contact@bloodbound.de. Man sieht sich!

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